künstlerische Praxis und Forschung

LANGZEITPROJEKTE

Auf geplante Reisen verzichtend und an das Atelier gebunden, habe ich 2020 angefangen bestimmte Themenfelder vermehrt durch Zeichnung zu erkunden, mit dem Ziel Graphic-Novels zu erstellen. Zwei davon nähern sich Handwerk aus unterschiedlichen Perspektiven und überschneiden sich inhaltlich: research handmade und die, „rumänische Bluse“ (Arbeitstitel).

research handmade blickt auf das vielschichtige Terrain von Handwerk zusammen mit der Frage, wie dieses gegenwärtig vermittelt wird. Ein Schwerpunkt der Untersuchung ist der unterschiedliche Stellenwert, welcher verschiedenen Arten von handwerklichen Berufen und Fertigkeiten zugesprochen wird. Eine Wert- beziehungsweise Geringschätzung, die sich in symbolischer und monetärer Weise ausdrückt. Dabei erfährt nicht nur das Ding an sich sondern auch seine Erzeuger_innen einen gesellschaftlichen Auf- oder Abstieg. Ob und wann ein Handwerk geschätzt wird, hängt von sehr unterschiedlichen Faktoren ab. Aktuell fällt jedoch auf, dass während der Pandemie bereits davor bestehende Tendenzen hinsichtlich Handwerk, verstärkt in Erscheinung treten. Offensichtlich hat die soziale Isolation zu einem gesteigerten Bedürfnis nach handwerklicher Betätigung, dem Ausprobieren und dem sich dabei Zeit lassen geführt. Dem taktilen, sinnlichen und engen Kontakt mit dem Material, der Freude am selber Herstellen wird eine heilende Wirkung nachgesagt; handwerklich-künstlerische Tätigkeiten beeinflussen die Selbstwahrnehmung positiv. Eine Praxis, die in der Arbeit mit Flüchtlingen und in der Traumatherapie Anwendung findet, wird in zunehmendem Maße von der Gesellschaft beansprucht und herbeigesehnt.
Als Graphic-Novel trägt die, „rumänische Bluse“ (Arbeitstitel) zum einen in zeichnerischen Rückblenden, Begegnungen und Gegebenheiten zusammen, die sich im Laufe meiner Ph.D.-Arbeit auf Reisen in Rumänien zugetragen haben und aus unterschiedlichen Gründen nicht Teil der Dissertation wurden. Neben Fotografien, Tagebuch-Einträgen, Interviewsituationen, subjektive Wahrnehmungen und am Rande Notiertes, sind es auch Arbeitsprozesse und Ideenfindungen, die in die Graphic-Novel mit einfließen sollen. Zum anderen wird die Forschung der Ph.D.-Arbeit um brandaktuelles Geschehen ergänzt.

Kohlezeichnung, 2021

Ab 2009 forsche ich zu Volkstrachten und Volkskunst während des Sozialismus in Rumänien als auch danach; bis 2017 vorwiegend im Rahmen eines Promotionsstudiums an der Bauhaus Universität Weimar. Primärer Forschungsgegenstand war die Verwertung der traditionellen bäuerlichen Kleidung, so auch von traditionellem Handwerk. In welchen Zusammenhängen erscheinen diese im Zeitraum 1948-1989 resp. nach 1989 und welche Sichtweisen darauf werden mit welcher Mitteln verbreitet? Die Recherche hat sowohl Interviews umfasst, als auch die Analyse von Zeitdokumenten wie Volkskunst-Monografien oder Modezeitschriften.
Mit der Analyse des bis dato wenig erforschten Wissensfeldes sollte auch ein Instrumentarium zur Verfügung gestellt werden, um gegenwärtiges Geschehen zu verstehen (wie zum Beispiel die erneute Einbettung von Volkstrachten und Handwerk in nationale Narrative, nach 1989).
Die künstlerische Forschung umfasst Textilien, Kleidungen, Zeichnungen, Videos, Fotografien und künstlerische Publikationen.
EN
Works concerning folk costumes and folk art during Socialism in Romania. Since 2009 mainly in the context of the Ph.D.-project FASHIONABLY NATIONAL! ,Folk Costume‘ as a resource in socialist Romania from the perspective of research and art at the Bauhaus-University Weimar.
Subject to investigation was the appropriation of traditional dress (as well of traditional handicrafts). To which contexts were they ascribed by the regime in the period 1948-1989? What perceptions of them were distributed? Through what means?
Part of the research were interviews (conducted in Romania between 2010-2011) and the examination of printed media (a.o. folk art monographs and fashion magazines from the socialist period). The analysis of this still scarcely investigated field aims to provide a set of instruments for a better understanding of recent phenomena (for example the more recent embedding of traditional dress and handicraft in national narratives, after 1989).
The project includes works with textiles, clothing, drawings, videos, photographs and printed matter.


Leben von der Hand in den Mund. Ressourcen und ökonomische Verwertbarkeit, ab 2001. Dazu gehören Arbeiten wie Gruppenbild in Weilau (Videoinstallation 2007, Videoessay 2009) und vertraute Fremde (Fotografien ab 2001).